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Im Kampf mit und (hier an der Kreuz) gegen die sehr schwierig zu handelnde typische steile Welle des flachen Ijsslemeeres. Auf dem Bild, Philipp Buhl 2009 auf dem traditionellen Weltcup-Revier in den Niederlanden. (Bild: Friedl Buhl)
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Delta Lloyd Regatta 2010, Medemblik, Niederlande

Philipp Buhl startet bei Weltcup in den Niederlanden.
5. Tag: 2. Platz im Finale und 11. insgesamt.
4. Tag: Rang 13 und Medal-Race nicht weit verfehlt.
3. Tag: Gesamt 14. nach 3 Final-Races
2. Tag: Als Zwölfter im Goldfleet.
1. Tag: Erwartungen mehr als erfüllt. Platz 5 nach 3 Races.

Für den Welpcup-Zirkus der olympischen Seglerklassen läuft ab 26. Mai der Count Down. Austragungsort ist das Ijsselmeer vor Medemblik / Niederlande.

Philipp Buhl ist am Start. Die bevorstehende Termindichte im Mai/Juni ist wegen der eingeflochtenen EM speziell in der Laserklasse so hoch, dass zahlreiche Segler ihre persönlichen Schwerpunkte setzen. Trotzdem sind 114 Athleten aus 32 Nationen vertreten. Die großen Namen fehlen nicht, so z. B. der Dominator Goodison (England), Hernandez (Spanien, Sieger von Palma), Stipanovic (Kroatien, Vorjahres-Zweiter) und fast alle weiteren der ersten Zwanzig der Weltrangliste.

Dies ist für Buhl bedeutsam, denn ihn reizt vor allem das oberste Teil der Messlatte und natürlich das Revier mit all seinen Besonderheiten. Die Wahrscheinlichkeit, dass dem Seglern das ganze Windspektrum von leicht bis stark begegnet, ist hoch. Mit einer nicht sehr hohen aber dafür außergewöhnlich steilen und daher sehr schwierig zu segelnden Welle hat jeder auf seine Art zu kämpfen.
Dabei ist die Welle nicht nur Bremsklotz (an der Kreuz). Sie hat auch eminente Schubkraft auf dem Surfkurs vor dem Wind zu bieten. Hohe Kunst ist die Umsetzung; sie verlangt viel Feingefühl in kraftvoller Aktion und ausgefeilte Segeltechniken.


(Medemblik, 25./30.05.2010 (Text und Bilder: Friedl Buhl)
Vorbereitungstag (Dienstag)
Einladende und anregende Stimmungen rundherum: Unzählige Segelboote auf großzügigen Terrains, eine mächtige Ansammlung von Supportboote (leider schier unzumutbar zusammengepfercht), ein eindrucksvoller Yachthafen, ein hoch professioneller Veranstalter im Background und natürlich das Wichtigste, der Wind.

Heute wehte er von der Nordsee herein, Stärke 3 Beaufort, und scheinbar weit und breit gleich. Nach Analyse und genaueren Erkundungen werden jedoch relevante Unterschiede erkennbar.
Für Philipp Buhl ist das Ijsselmeer kein Neuland mehr. Trotzdem gilt es, sich auf die Besonderheiten von Wind und Welle immer wieder aus Neue einzufühlen und einzustellen. Dafür stand nur ein Nachmittag zur Verfügung. Dieses absolute Minimum kann durchaus genügen, wenn Routine vorherrscht und am ersten Wettkampftag in etwa vergleichbare Bedingungen zu erwarten sind.

Erster Start am Mittwoch ist auf 14:00 Uhr angesetzt. Drei lange Wettfahrten stehen schon zu Beginn auf dem Tagesplan – ungewöhnlich! Somit ist ein sehr Kräfte zehrender Tag sicher, auch wenn der Wind voraussichtlich nur mit mittlerer Stärke auftreten wird.





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1. Tag (Mittwoch), Qualifying-Race 1 bis 3
Das war ein Einstieg nach Maß. Philipp Buhl beendet sein erstes Race als Fünfter. Faktisch wird er aber Zweiter, weil drei Segler vor ihm wegen Frühstart mit BFD bestraft wurden. In dieser Wettfahrt rundete Buhl als 16. die erste Luvmarke und surft sich mit faszinierendem Vorwindspeed unter die Führenden.

In der zweiten Wettfahrt legt der Wind von 3 auf 4 Beaufort zu, was die typische Ijsselmeer-Welle deutlich unangenehmer macht. Nach gutem Start und dem passenden Konterrhythmus auf die nicht einfach zu durchschauende Winddreher-Charakteristik rundet Buhl erstmals in Luv als Siebter. Nach dem ersten Vorwindkurs liegt er bereits an vierter Stelle und hält diese Position bis ins Ziel.

Die dritte Tageswettfahrt, für die der Wind zwischenzeitlich auf 5 Beaufort zugelegt hat, stellt an die Athleten sehr hohe Anforderungen an Kraft, Ausdauer und die Konzentration (Welle!). Etwa bei Wettfahrthälfte kentert Buhl während einer Wende (Greiffehler bei der Schotübergabe). Dem schnellen Aufstellen des Boot folgt in der Hektik ein weiteren Bootsumkipper. Buhl erzählt: „Zum Aufstellen musste ich schnell unter’s Boot tauchen“, damit der Mast nicht in den zähen schwarzen Meeresschlick sticht. Auch diese Bereinigung dauert nicht lange. Dennoch wirft dieses Handicap den Segler vom Alpsee auf den etwa 30. Rang zurück. Sein Kampfgeist war von da an ganz offensichtlich vom „Jetzt erst richtig Vollgas geben!“ bestimmt. Auf der letzten Kreuz- und Vorwindstrecke holte der Kämpfer noch die Hälfte vor ihm ein und querte das Ziel als 14.

Im Zwischenklassement belegt der Sonthofener nun den fünften Rang und liegt nur einen Punkt hinter dem WM-Medaillist Thompson (England). Es führt der Spanier Hernandez (Sieger von Palma und Dritter in Hyeres), der bisher eine mustergültige Leistungskonstanz vorweisen kann.

Für morgen (Donnerstag) sind erneut drei Wettfahrten geplant. Man kann nur hoffen, dass sich die Wetterpropheten irren; denn mit Schwachwind von nur wenigen Konten wird auf dem Ijsselmmeer sicher nicht gestartet.


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2. Tag (Donnerstag), Qualifying-Race 4
Die Vorhersagen bzw. Befürchtungen zum Wind stimmten. Bis zum Abend war Warten auf ausreichend starken Wind nötig. Schließlich ertönte gegen 17 Uhr die Order zum Auslaufen für eine vierte Qualifizierungs-Wettfahrt.

Da sich der Wind im Aufbauen befand, und dies am Abend, wenn er sich gewöhnlich abschwächt, war sein Verhalten nur schwer einschätzbar und kalkulierbar.

Philipp Buhl kommt mit einem blauen Auge davon, als ein Rechtsdreher während der Startkreuz die rechte Seite stark bevorteiligte. Er rundet als 26. und kann an dieser Position nicht mehr viel ändern. Im Ziel musste er sich mit 24 Punkten zufrieden geben. Dieses Ergebnis rückte Buhl auf den zwölften Rang in der Gesamtwertung nach hinten.
In dieser Wettfahrt gab es einen Großteil untypischer Ergebnisse und damit eine kräftige Durchmischung des Zwischenklassements.

Hinsichtlich Wind wird der Freitag konträr ausfallen. Es soll kräftigen Westwind geben. Drei Wettfahrten sind auf dem Programm. Ob die Wettfahrtleitung noch eine vierte zum Nachholen hinzusetzt, kann nur befürchtet werden. Dies ginge sicherlich bei allen Seglern an die Grenzen des Leistungsvermögens und sicherlich bei einigen darüber hinaus.


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3. Tag (Freitag) Final-Races 1 bis 3 (Races gesamt 5 bis 7)
Den Windliebhabern war heute einen exzellenten Segeltag, mit viel Sonne und kräftigem Wind beschert. Für die Segler ging es somit voll zur Sache. Sie mussten sich bei vorwiegend 4 bis 5 Beaufort durch drei Wettfahrten kämpfen.

Philipp Buhl zog nach den vier Qualifyings als Zwölftplatzierter ins Goldfleet. Während der Wettfahrten machten ihm allerdings technische Probleme erheblich zu schaffen, eine abgerissene Großschot-Umlenkrolle und später zu viel Wasser im Bootsrumpf. Besonders bei der extrem kurzen und steilen Welle kommt es auf die Vermeidung jedes Massepfundes an.

Bei der ersten Wettfahrt gelingt Buhl ein sehr guter zehnter Platz.
Ein 19. Rang in der zweiten Wettfahrt war durchaus in Ordnung – schließlich kämpfte das Goldfleet unter sich.
Nicht zufrieden war Buhl mit seinem 35. Rang in der dritten Wettfahrt. Für dieses Resultat konnte Buhl seinen Streicher verwenden. In der Zwischenwertung rückte er um zwei Plätze auf den 14. Rang zurück.
Was Buhls Chancen auf ein Medalrace-Ticket betrifft, kann er noch voller Zuversicht sein. Sein Rückstand zu den Top Ten-Grenze beträgt weniger als zehn Punkten.

Âm vierten Tag (Samstag) sind die letzten zwei Final-Wettfahrten vorgesehen.
Der Wind ist mit mäßiger und später auffrischender Stärke (4-5 Beaufort) aus Süden angesagt. Als Nebeneffekte bringt der Wind mehr Wärme und für die Nacht auch Regen mit sich.


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4. Tag (Samstag) Final-Races 4 und 5 (Races 8 bis 9)
Kein glücklicher Tag und trotzdem nicht ganz unzufrieden. Philipp Buhl erreicht das anvisierte Medal-Race leider nicht, aber es war greifbar nahe.

Zunächst zur ersten Tageswettfahrt. Nach nicht optimalem Start und der dadurch bedingten zusätzlichen Schwierigkeit von schwankendem Wind (Stärke ca. 3 Beaufort) rundet Buhl etwa mit dem Mittelfeld die Luvmarke. Aufgrund relativ großer Abstände nach vorne kann er nur etwa 10 Plätze gut machen und beendet als 18. Für das letzte Finale-Race war nun klar, dass die Tür zum Medal-Race nur noch mit einer Top-Platzierung offen bleibt.

Für die zweite Wettfahrt setzt Buhl mit Überzeugung auf die linke Seite, denn das Windverhalten befand sich bereits in der Vorstartphase in erkennbarem sowie kalkulierbarem Umbruch. Die Rechnung geht auf. Der vermutete Winddreher verschafft Vorteile. Buhl rundet an vierter Stelle das Luvfass. Nach dem Raumkurs traf die Wettfahrtleitung die etwas fragwürdige Entscheidung, das Race abzubrechen. Schade! Das war mehr als ein Hoffnungsschimmer, die Top Ten der Gesamtwertung doch noch zu erklimmen.

In der wiederholten Wettfahrt kann Buhl im konzentrierten Gedränge am sinnvollen Pin-End keinen erfolgreichen Start rausziehen, ohne das Risiko ausufern zu lassen. Bei der ersten Luvrundung liegt er wirklich weit hinten. Er verliert aber nicht den Kampfgeist, obwohl er weiß, sein oberstes Ziel ist jetzt unerreichbar. Dafür wird er mit einem noch überraschend guten 19. Rang belohnt. Das war ein schöner Trost und mehr noch. Buhl liegt in der Zwischenbilanz nun an 13. Stelle und führt auch die deutsche Flotte an. Ein beachtlicher Weltcup-Abschluss in Medemblik ist dem erst 20-jährigen damit fast schon sicher.

Am Sonntag steht jetzt noch das Fleetrace-Finale (Gegenstück zum Medal-Race der besten Zehn) an. Hier will der Segler vom Alpsee sicherlich noch einmal alles zum Besten geben. Es ist mittlerer bis kräftiger Wind angesagt.


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5. Tag (Sonntag) Fleettrace-Finale (Races gesamt 10)
Das Sprichwort „Ende gut, alles gut.“ könnte für Philipp Buhls Weltcup-Einsatz in Medemblik erweitert werden auf „Anfang und Ende gut …“ Er begann mit einem zweiten Platz und schloss mit derselben Platzierung im Fleetrace-Finale ab. Einen Spitzenplatz (liebäugelte sogar mit dem Sieg) entsprach seinem festen Willen, nachdem es zwischendurch nicht immer so gut verlaufen ist.

Zum heutigen Abschlusstag: Buhl legt einen Bombenstart vor und segelt bei 4 Beaufort eine ausgezeichnete Taktik, bei der es in erster Linie um das Erkennen, Bewerten und schließlich Kontern diffiziler Winddreher (eines scheinbar gleichmäßigen Windes) ging. Er rundet an der ersten Luvmarke an fünfter Position. Damit konnte nach hinten nicht mehr so viel schief gehen (Kentern, Defekte u. ä. ausgenommen), denn bei viel Wind ist nach der Startkreuz das Feld meist stärker entzerrt. Vielmehr gab’s für den Segler vom Alpsee nach vorne noch Einiges zu verrichten, denn er wollte noch etwas mehr.
Auf der zweiten Kreuz kommt Buhl dem Führenden näher und segelt sich auf die dritte Position. Auf dem anschließenden Vorwindkurs löst er das ehemalige Führungstrio weiter auf, fightet sich noch dichter an die Ferse von Sergey Komissarov (Russland).

Im Ziel kann sich Buhl über seine hervorragende Leistung freuen, die ihm den zweiten Platz und das Erreichen seines gesetzten Zieles sicherte. Er rückte damit in der endgültigen Gesamtwertung maximal nach vorne, auf den elften Rang. Mit diesem beachtlichen Ergebnis schließt er unmittelbar an die Medal-Racer an.

Dieses gewann Paul Goodison. Souveräner Gewinner der Delta Lloyd Weltcup-Regatta ist der Windspezialist Tom Slingsby (Australien) vor Matias del Solar (Chile) und Javier Hernandez (Spanien).



Das war’s vom Weltcup in Medemblik / Niederlande.
Ein zusammenfassender Bericht folgt.
Ihr Berichtverfasser
Friedl Buhl



Vom Weltcup-Einsatz in Medemblik / Niederlande herzliche Grüße an alle meine Partner und Förderer, Fans und Gönner sowie meine Freunde und Bekannten und natürlich nicht zuletzt meinen Segelclub Alpsee Immenstadt (SCAI).
Ich freue mich, wenn mir wieder viele in bewährter Manier die Daumen zum guten Gelingen drücken. Danke!

Ihr Segler
Philipp Buhl


Ihre Nachricht wird garantiert gerne gelesen!
fanpost-an-philipp@computech-fs.de
Vielen Dank für Fanpost – auch wenn ich nicht immer auf alle eine Antwort schreiben kann!



Gesamtbericht dieses Events
Ergebnisse Laser Männer
Hompage ISAF Sailing Worldcup „Delta Lloyd Regatta“, Medemblik 2010, Niederlande


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