Segelschiffe, ihre Geschichte und Konstruktion – für Segler Seltmann ist das kein Hobby. Es ist eine Leidenschaft. Doch ein Projekt wie den Lädinen-Mastbau könnte er nicht allein schultern. Viele helfende Hände einschließlich der Brüder Fritz und Hans sind nötig. 300, 400 Stunden wurden locker schon investiert. Und es werden noch mehr. Auf die Idee, die Masten zu bauen, brachte Seltmann ein Engländer aus Fischen: Cederic Jones war vor zwei Jahren bei der Oldtimer-Regatta des Segelclubs Alpsee-Immenstadt mit dem Eigennachbau einer Caledonien Yawl gestartet und hatte damals ein britisches Bauverfahren erklärt: Der Mast wird aus Latten verleimt – was nun geschieht ...
Los ging’s mit dem richtigen Holz: Tannen-Erdstämme, in sechs Zentimeter dicken Bohlen sieben Jahre gelagert. Daraus sägten „Seltmann & Co.“ in einer Werft rund 150 Latten, die dann in einem geheizten Raum weiter trockneten. Da war es Dezember. Es folgte der Transport zur Immenstädter Zimmerei von Adolf Kern – ebenso ein Segler. Dort wurden die Latten grob und in verschiedenen Stärken gehobelt. Äste, soweit nicht richtig eingewachsen, wurden herausgesägt, dann die Latten in den nötigen Längen verleimt. Weiter frästen die Bastler in jede Latte eine V-förmige Nut und hobelten sie in eine konische Form. Ein Mast ist ja tailliert: in der Mitte dick, oben und unten dünner.
Inzwischen ist Seltmanns Dachboden die Werkstatt. Dort werden die Latten mit Spezialkleber zu Masten und dazugehörigen Spieren geformt. Eine zehn Meter lange, selbst gebaute Leimschablone hilft dabei. Die überstehenden Ecken bleiben natürlich nicht. In weiteren Schritten hobeln die Immenstädter die Holzteile rund, schleifen sie und tränken sie in Öl, ehe ein Speziallack die Holzporen verschließt. Dann sind wieder Profis dran. Die Bodensee-Werft in Bregenz-Hardt verpasst den Masten die nötigen Metallbeschläge und passt sie ins Schiff ein.
Die sieben Flying Dutchman-Jollen, an denen Seltmann mitbaute, sind noch heute alle auf Seen unterwegs. Eines der Schiffe war übrigens der erste Flying Dutchman, den der amtierende dreifache Deutsche Meister Helmut Löther (Immenstadt) besaß. Seltmanns erstes Boot, den Katamaran, gibt es nicht mehr. Nur Schwimmkörper und Segel hat der Bühler Architekt noch. Die Geschichte des Segels zeigt, wie konsequent der 65-jährige schon in der Jugend Ziele anging.
Als der Katamaran fertig war, fehlte zum Alpsee-Glück nur das passende Segel. Stoff hatte keiner übrig. Also radelte Seltmann mit fünf Mark in der Tasche zur Fabrik in Blaichach. Er erinnert sich gut, wie der Werksmeister lachte, als er das wenige Geld sah. Und doch gab er dem Bub für seinen Traum einen ganzen Ballen Stoff. Weil dann keiner Zeit hatte, das Segel zu schneidern, übte Seltmann mit Mutters Maschine und nähte es dann kurzerhand selbst.








